Mittwoch, 28. Oktober 2009

Mimus Vitae, Kapitel 1, Rückkehr

6 Jahre sind vergangen, seid sie zuletzt ein Fuß in die Stadt und das Schloss gesetzt hatte. Ziderrallalla, die Hauptstadt des Reiches Capor, welche sich sanft an die Gebirgskette Athlon schmiegte. Sah so friedlich wie eh und jäh aus. Umgeben von einem Wall, welcher aus dem graubraunen Gebirge gehauen zu sein schien, stachen die weiß gestrichenen Häuser und die riesigen Bäume dem Betrachter schon von weitem ins Auge.


>>Huhh…<< Ayu atmete tief durch, ein Kribbeln bereitete sich in ihrem Bauch aus, nun kehrte sie wieder Heim. >>Los jetzt!<< Ayu gab sich einen Ruck und bog in den durch zwei Uniformierte bewachten Durchgang ein. Sie bereute sofort den Schutz in ihrer Kutsche verlassen zu haben, nur um ihren Kreislauf ein wenig auf trapp zu bringen. Fast wäre sie beim Betreten der Stadt unter dem Trubel der hinter den Mauern herrschte gestürzt. Aber ihr Ziel hatte sie erreicht, die Übelkeit, welche sie häufig auf Reisen in der Kutsche überfiel schien zu verschwinden. Die geschäftigen Menschen drängten durcheinander, ein paar Kinder jagten einem nach ihnen schreienden Mann voraus, welchen sie um ein paar Äpfel erleichtert hatten. Ayu bog in eine kleine Gasse ein und begab sich in eine Nebenstraße, hier war es deutlich ruhiger.

Der Garten, welcher sich vor ihren Augen ausbreitete, war ganz genauso wie sie ihn in der Erinnerung hatte. Weite grüne und saftige Rasenflächen. Ein paar Beete und Gewächse und natürlich die drei großen Jorden zu ihrer linken. Hier hatte sie als Kind immer gern gespielt. Zwischen den bis auf den Boden reichenden Wimpeln konnte sie sich als Kind ausgezeichnet vor ihrem Vater verstecken. Sie musste grinsen, unterdrückte es jedoch sofort als einer der Bediensteten ihr entgegen kam und sich vor ihr verbeugte.
>>Medica. Herzlich Willkommen zurück auf Schloss Zider. Wenn ihr mir bitte folgen würdet, ihr werdet bereits erwartet.<< Mit raschem Schritten folgte sie dem Bediensteten in das vor ihr stolz emporragende Schloss. Vor einem großen Portal drehte sich der Bedienstete zu ihr um. >>Ich sage den Herrschaften eben bescheid.<< Nur einen Spaltbreit öffnete der Mann das Portal und schlüpfte hindurch.

Nun war sie also wieder hier. Sie konnte es gar nicht erwarten ihren Vater in die Arme zu schließen und wie werden sich die Menschen in der Zeit ihrer Abwesenheit verändert haben?
Die beiden Flügel wurden aufgezogen eine kurze Fanfare setzte ein. >> Die Medica Ayu, Tochter des Magus Katemo kehrt von ihren Studien zurück.<< Der Sprecher deutete eine Verbeugung an und streckte seinem Arm ihr voraus. Ayu war verwirrt. So ein großes Aufheben um ihre Person? So viel Zeremonielles war ungewöhnlich für das sonst so formfreie Königshaus. Sie war naiv zu glauben, dass alles so wie vor ihrem Fortgang war. Aus der Starre befreit schritt sie durch das Portal in den Thronsaal und trat vor den Thron. Dort erlebte sie die nächste Überraschung. König Gregor der 3. saß nicht auf den Thron, sondern sein Sohn Gregor der 4., was ist geschehen und wieso hatte ihr Vater das bei seinem letzten Brief nicht erwähnt?

>>Willkommen Medica, ich hoffe ihre Reise war angenehm?<< Ayu war verwirrt, warum siezt er sie? >>Ja Majestät, dank der Kutsche und dem Personal die Sie mir zur Verfügung gestellt haben, war die Reise sehr angenehm. Doch sagt, was ist mit eurem Vater Gregor dem 3. geschehn’, ist er…<< Die Hand des Prinzen hob sich und bedeutete ihr zu schweigen. >>Ja, mein Vater ist vor sieben Tagen verstorben. Die Ursachen dazu werden noch untersucht, aber ich habe euch nicht an das Schloss holen lassen, damit wir sinnlose Gespräche über die Toten führen! Medica, ihr kennt euch auf dem Gebiet der Heilung wie kaum jemand aus. Ich hoffe eure intensiven Studien haben sich gelohnt. Wie ihr sicherlich schon vernommen habt geht eine neue Art der Seuche um, ich erteile euch hiermit den Auftrag die Ursache der Entstehung zu finden, zu beseitigen und ein Gegenmittel zu entwickeln. Ich erwarte von euch absolute Unterstützung und rasche Ergebnisse.<< Ayu stand mit ungläubigen Augen vor Gregor, dem Prinzen, ihrem besten Freund seit Kindheitstagen. Wann hatte er sich so verändert? Hatte das der Tod seines Vaters in ihm ausgelöst. >>Nun, das ist alles für den Moment, ihr dürft dann gehen.<< Völlig perplex deutete sie ihrem Stand angemessen eine leichte Verbeugung an und verließ durch die erneut geöffneten Flügeltüren den Saal. Verwirrt und im Grübeln versunken stand sie dort einige Zeit, bis sie bemerkte dass die Wachen sie anstarrten. Im Eilschritt aber immer noch der einer Dame angemessen suchte sie ihren Vater, den Magus des Hofes auf. Er würde ihre Fragen beantworten können.

Immerhin er hatte sich nicht verändert. Katemo, ihr Vater schwirrte in seinem Labor umher und widmete sich seinen Forschungen. Er war älter geworden, weitere Falten rahmten sein warmherziges Gesicht ein. Seine nach wie vor schwarzen Haare waren sauber zu einem Zopf zusammengebunden, lediglich auf seiner Kleidung war ein noch frischer, großer Fleck zu erkennen.
>>Was ist hier während meiner Abwesendheit passiert?<< Katemo drehte sich zu ihr um und schaute seine Tochter fragend an. >>Ich grüße dich auch. So nett wurde ich schon seit langem nicht mehr empfangen.<< Ayu stolperte die Treppen hinab und warf sich ihrem Vater in die Arme. >> Es tut mir leid. Es ist schön dich wieder zu sehen, Vater.<< Er löste sich von ihr und schaute in ihr Gesicht. >>Du warst also schon bei ihm? Es ist viel passiert, seit meinem letzten Brief an dich und deiner Reise hier her.<< Ayu nahm die Schriftrollen ihres Vaters von einem Stuhl und legte sie auf den neben stehenden Tisch bevor sie sich setzte. >>Solch eine Veränderung? Gregor ist ein anderer Mensch und noch dazu König, während sein Vater plötzlich Tod ist. Am Hof wird plötzlich Zeremonielles großgeschrieben. Vater, du kannst mir nicht erzählen dass sich dies innerhalb von nur acht Tagen ereignet hat!<< Katemo setzte sich zu ihr an den Tisch und schaute sie nachdenklich an. >>Nun, ich muss zu geben. Der Prinz benimmt sich seit längerem anders. Ich weis wie es um eure Freundschaft bestellt ist und wollte dir keine Sorgen bereiten. Ich habe außerdem gehofft, dass er sich dir gegenüber normal verhalten würde.<< Ayu hob die linke Augenbraue und schaute ihren Vater skeptisch an. Ein leises blubbern einer kochenden Flüssigkeit war irgendwo aus dem hinteren Teil der Kammer zu vernehmen. Katemo fuhr fort >>Aktuell ist Gregor jedoch noch nicht im Amt, also nach wie vor Prinz. Die Krönung ist erst in zwei Wochen, gemeinsam mit seiner Vermählung. Und wer weis, vielleicht kommt er ja heute Abend beim gemeinsamen Abendessen, welches zu ehren deiner Rückkehr stattfindet, zur Besinnung. Du musst ihn verstehen, seinem Vater ging es schon seit längerer Zeit gesundheitlich schlecht, so was zerrt an den nerven und nun hat er auch noch die Regierungsgeschäfte übernommen. Gerade für so einen jungen Mann von 24 Jahren ist das eine enorme Belastung. Gib ihn Zeit, dann wird er von ganz allein wieder zu sich selber finden.<<

Generalfeldmarschall Nukepick hatte genug! >>Es reicht! Ich habe hier das letzte Wort, haben wir uns verstanden, Herr Mayor!<< >>Es heißt Generalmayor, Herr Generalfeldmarschall.<< Kerzengrade stand dieser Witz vor ihm und meint doch allen ernstes ihm schon wieder widersprechen zu müssen. >>Das, war ein Fehler, ich bin mir ihres ehemaligen Titels sehr wohl bewusst.<< Quetschte Nukepick durch zusammengebissene Zähne mit kaum noch unterdrückbarer Wut hervor. Dann explodierte er >>Sie aufgeblasenes Arschloch, hiermit degradiere ich sie zum Oberst! Es ist schlimm genug, dass sie ihren Auftrag vermasselt haben, aber keinen Respekt gegenüber seinem Vorgesetzten zeigen kann und werde ich nicht durchgehen lassen und bevor ich sie einfache Aufgaben als Soldat verrichten lasse. Ver! Schwinden! Sie!<< Ein paar tropfen Speichel trafen das Gesicht des Oberst, ohne jedoch in irgendeiner weise diese zu beachten salutierte dieser und machte sich schleunigst vom Acker.
Unglaublich. Nukepick wischte sich über seine Glatze. Was er sich hier alles anhören musste. Kein Funken Respekt mehr in seiner Mannschaft. Hoffentlich bessert sich das mit diesem Vorfall.
Grummelnd und vor sich hin grübelnd machte er sich auf den Weg in das Schloss, nun folgten politische Debatten über die Ausrichtung Capors. Nun nach dem Tod Gregor des 3. sollten einige neue Wege eingeschlagen werden, zumindest wenn es nach dem Willen der Königin geht. Nur zu schade, dass Frauen nicht allein regieren dürfen. Und wer hätte gedacht, dass Gregor so ein Schwächling ist, was das regieren betrifft. In letzter Zeit handelt er ganz nach den Vorstellungen seiner Mutter ohne seinen eigenen Kopf einzusetzen. Vielleicht sollte er seinem ehemaligen Schützling, welchem er zum besten Kämpfer der Armee ausgebildet hatte, in einem vier Augen Gespräch den Kopf waschen.
Mittlerweile war Nukepick an den Stallungen vorbei und folgte dem frisch gestreuten Kiesweg hinauf zum Schloss. Die großen Jorden spendeten einen wunderbaren Schatten und ein leichtes Lüftchen hinterließ eine kleine Gänsehaut auf seiner Glatze. Mmmh, ich sollte mich mal wieder Rasieren, dachte Nukepick und salutierte vor den Wachen, bevor er das Schloss betrat.



2 Kommentare:

ciara hat gesagt…

tolle seite,bietet echt interessante information an.vielen dank für den gut geschriebenen beitrag!

Zungo hat gesagt…

Vielen Dank, das freut mich und spendet vor allem elan weiter zu machen :D

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